2001 - 2005

Die Chronik der K.G. Alt-Köllen vun 1883 e.V.

Von Frank Tewes

Im neuen Jahrtausend ganz oben angelangt

Zum Ende des 20. Jahrhunderts bilanzierte die KG Alt-Köllen vun 1883 e.V. zufrieden, dass sie sich zu einer der führenden Gesellschaften im karnevalistischen Köln entwickelt hat. Ansporn genug, die neuen Aufgaben und Herausforderungen anzugehen, die im neuen Jahrtausend warten. Ein eigener Internet-Auftritt beispielsweise gehörte damals schon zur Selbstverständlichkeit. Im Sommer 2000 wurde auf der Jahreshauptversammlung der amtierende Vorstand erneut einstimmig bestätigt. Für den erweiterten Vorstand konnten einige junge Mitglieder gewonnen werden. Somit wurden die ersten Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. „Unser Erfolgsgeheimnis ist der kontinuierliche Zusammenhalt und der harmonische Umgang miteinander”, verriet der heutige erste Vorsitzende Michael Hohmann.

Hans Brocker Das bezieht sich nicht nur auf interne Vorgänge, sondern auch auf Angelegenheiten außerhalb der Gesellschaft. Immer schon legte man großen Wert auf caritatives Engagement. Als beispielsweise die Jugendsitzung „Keine Kurzen für Kurze” auf dem Neumarkt nach dem ersten Jahr vor dem Aus stand, griffen die Karnevalisten von Alt-Köllen den Verantwortlichen finanziell unter die Arme. Ein schönes Beispiel, dass die hilfsbereite Grundhaltung in der KG tief verwurzelt ist, belegt eine weitere Anekdote aus dem Jahr 2003: Eine kleine Kettenreaktion löste Präsident Hans Brocker damals bei der Galasitzung aus. Bei seinem 65. Geburtstag im November hatte er auf Geschenke verzichtet und stattdessen gebeten, seine Gäste mögen Geld für die Kinderkrebsstation der Uni-Klinik spenden.Hans BrockerGanze 6000 Euro waren dabei zusammengekommen – „und die runde ich persönlich um weitere 1500 Euro auf”, erklärte Brocker, als er den Leiter der Station Professor Frank Berthold auf die Bühne holte. Doch er hatte noch einen zweiten Scheck dabei: „Der ist von der Gesellschaft über zusätzliche 5000 Euro”, erklärte er. Und weiter ging´s im Takt: Damit auch wirklich eine runde Summe zusammenkam, meldete sich spontan Senatorengattin Rosemarie Henschen und legte noch mal 2500 Euro oben drauf. Elmar Veltrup aus Krefeld hatte das ganze Spiel beobachtet und packte weitere 1000 Euro in den „Klingelbeutel”. Mitgerechnet? Macht summa summarum 16 000 Euro, die der überglückliche Professor Berthold strahlend entgegennahm. „Soziales Engagement ist ausgesprochen wichtig”, stellte Präsident Hans Brocker öffentlich fest.

Siglinde Kallnbach Weil Karnevalisten die Feste feiern, wie sie fallen, fiel auch im Jahr 2004 ein Jubiläum ins Haus: Elf mal elf Jahre – also 121 Jahre – bestand die Gesellschaft. „Feiern ist international – über Ländergrenzen hinweg” – war damals die Meinung der Kölner Künstlerin Siglinde Kallnbach. Das japanische Nebuta-Festival brachte sie bei einer Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum mit dem Kölner Karneval in Verbindung. „Nebuta hat viele Ähnlichkeiten und in den archaischen Wurzeln sogar strukturelle Entsprechungen mit dem Fastelovend”, erklärte die Künstlerin bei der Vernissage. Seit 1994 hat sie zudem den Kölner Karneval auf Fotos dokumentiert. Bilder vom Rosenmontagszug, von der Volkssitzung der KG Alt-Köllen sowie vom Straßenkarneval waren deswegen in die Ausstellung integriert. Darüber hinaus hatte die KG Alt-Köllen zahlreiche Exponate aus ihrem Gesellschaftsarchiv zur Verfügung gestellt. Senatspräsident Wolfgang Kaup, Präsident Hans Brocker und Künstlerin Siglinde Kallnbach nahmen die Eröffnung der Ausstellung vor.

Bei der Prunk- und Fremdensitzung des gleichen Jahres erlebten die Gäste eine wohl einmalige Darbietung: Guido Cantz wird nicht nur bei Pagin Stephanie Dittrich nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben. Im Foyer tauschten beide schnell ihre Kostüme aus – und als neuer „Page Guido” wackelte der „Mann für alle Fälle” im Röckchen mit Stiefelchen auf die Bühne, um dort seine Rede zu halten. Der Grund für die Jeckerei: In der vorangegangenen Session hatte Cantz Scherze über die Pagen gemacht („ich würde auch gerne mal so rumlaufen, aber ihr habt ja kein Kostüm in meiner Größe”).

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Ausschnitte aus der Chronik

Liederheft Ähnze Kähls 1912Fast zwangsläufig fusionierten beide Gesellschaften, die inzwischen drei Jahrzehnte bestanden, im Jahr 1913. Hehre Pläne hatten sie damals im Mai: Eine eigene „Bürgergarde” gründeten sie. Staatse Kääls in Uniformen waren das, die in den „Kampf gegen Griesgram und Muckertum” geworfen wurden. Die Gesellschaft trug damals den Bandwurm-Namen „Vereinigte Carnevalsgesellschaften Aehnze Kähls und Alt-Cöllen von 1883 – Bürgergarde Kölner Bürgerwehr e. V.”. 1914 wurde noch mit einem beeindruckenden Programm gemeinsam Karneval gefeiert. Die „Kölner Bürgerwehr” gab sich dabei übrigens betont militärisch. Die Beschreibungen der einzelnen Veranstaltungen klingen knapp hundert Jahre später ausgesprochen martialisch: Man traf sich beispielsweise zum „Appell mit sämtlichem Gepäck, Kompanie-Einteilung, Übungsschießen”, auch ging es hinaus zur „Felddienst-Übung” auf die Butzweiler Wiesen unter Beteiligung des Amazonenkorps. Und als man zum Bombardement gegen die Festung „Duckmüser” aufrief, dachte wohl kaum jemand daran, dass nur wenig später tatsächlich die Bomben fallen sollten.



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