1956 - 1960

Die Chronik der K.G. Alt-Köllen vun 1883 e.V.

Von Frank Tewes

75-jähriges Bestehen glanzvoll gefeiert

Wenn schon der 50. Geburtstag im Jahr 1933 nicht gebührend begangen werden konnte, so wartete ein glanzvolles Jubiläum am 8. Januar 1958 auf die Mitglieder der KG: das 75-jährige Bestehen galt es zu feiern. Dem Ehrenabend im Sartory folgte eine aufsehenerregende Prunksitzung im Gürzenich. Die KG Alt-Köllen hatte sich mehr und mehr emporgearbeitet.

Kleiner RatMit dem „Paprika-Ball” führte die Gesellschaft 1960 eine bis heute gepflegte Institution ein. Ein „feurig-scharfer” Kostümball schwebte den Herren damals als Konzept vor. Und eines gilt nach wie vor: Es ist mit Live-Darbietungen und Disco-Musik immer eines der heißesten Vergnügen am Karnevalssamstag.

Überhaupt hatte sich die KG Alt-Köllen in der 1950er und 1960er Jahren zu einer echten Familiengesellschaft mit hehren sozialen Ansprüchen entwickelt. Für die stand die Gesellschaft mitunter sogar ausgesprochen kämpferisch ein. 1960 ging sie dabei auch einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Blatzheim AG nicht aus dem Wege. Als „Wirbel um den Gürzenich” ging dieser „Knaatsch” in die Karnevalshistorie ein: „Unsere Gesellschaft befolgt in Treue und Wahrheit die Weisungen ihrer Altvorderen, indem vom Handwerker bis zum Generaldirektor ein Anrecht besteht, nebeneinander zu sitzen, und die KG Alt-Köllen gestaltet ihre Einrittspreise mit den Unkosten im Einklang, so dass kaum ein Überschuss erzielt wird. Wir folgen in jedem Falle den Forderungen unserer stadtkölnischen Bürger, auch dem Arbeiter mit aufrichtigem und närrischem Herzen den Gürzenich zu öffnen, um ihm die Version des Zweiklassenmenschen zu nehmen.”

So formulierte es der KG-Vorstand im Sessionheft „Die Bütt” des Jahres 1960. Hintergrund des Statements war die Ausbootung der Gesellschaft durch Gastronom Blatzheim aus dem Gürzenich, weil angeblich der Getränke-Umsatz bei Alt-Köllen nicht dem entsprach, was die Besucher bei anderen Korps und Gesellschaften konsumierten. Als sich um den von der KG traditionell besetzten Gürzenich-Termin am Mittwoch vor Weiberfastnacht andere Gesellschaften bewarben, nutzte der Gastronom die Gunst der Stunde, um Alt-Köllen eine Absage zu erteilen. Doch die Gesellschaft machte ihrerseits ordentlich Wirbel und stellte – 1960 wohlgemerkt – die Frage, was denn der Besuch einer Karnevalssitzung überhaupt kosten dürfe. Die beispielhafte Rechnung vom „Ehepaar Schmitz” hat auch fast 50 Jahre später kaum an Aktualität eingebüßt. Für einen Abend im Gürzenich, inklusive Eintrittskarte, Bahnfahrt, Getränken und einem kleinen Imbiss kamen damals etwa 50 Mark zusammen. Ein halber Wochenlohn war dies für den Durchschnittsverdiener jener Zeit. Das damals schon geäußerte Gegenargument, man müsse eben auf den Besuch anderer Veranstaltungen verzichten, konterte die KG mit dem Hinweis auf „Tausende Schmitzens”, die Straßenkarneval hoch hielten, die Kulisse für den Rosenmontagszug bildeten und dem Prinzen Karneval Beifall zollten.

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Ausschnitte aus der Chronik

Beckers Nachfolger im Amt des Präsidenten wurde Kurt Ludes, als Karnevalist und als Krätzchensänger weit über Kölner Stadtgrenzen hinaus bekannt. Unter seiner Führung errang die Gesellschaft einen neuerlichen Aufschwung und machte eine Verjüngungskur durch, ohne etwas von ihrem alten Geist zu verlieren. Stetig wuchs die Zahl der Mitglieder, die altgewohnten Veranstaltungssäle wurden rasch zu klein. Wie eng es zuging, verdeutlicht ein Chronistenbericht aus dem Jahr 1970: „Ort: Die Wolkenburg am 4. Januar. Die KG Alt-Köllen feiert hier Herrensitzung bei Kölsch und Halvem Hahn. Präsident: Kurt Ludes, der hier gewissermaßen seine Feuertaufe erlebte. Der große Saal der Wolkenburg ist bis auf den letzten Stuhl ausverkauft und die Herren haben mächtigen Durst. Die Kellner bzw. Köbesse kommen mit ihren Kränzen mit Kölsch kaum durch die Reihen, und alle Männer wollen gleichzeitig Bier. Es kam, wie es kommen musste, die Kellner resignierten und brachten schließlich überhaupt kein Bier mehr. Als die Männer unruhig wurden, ging Senatspräsident Manfred Hettich der sich ausbreitenden Trockenheit auf den Grund. Als die Kellner ihm sagten, sie könnten nicht mehr, sie würden streiken, verlegte er sich auf’s Bitten. Als das nicht half, stellte er kurzentschlossen, wenn auch schweren Herzens, die kurz vorher erhaltenen Spenden für den Senat in Höhe von 80 Mark den vier Kellnern als zusätzliches Trinkgeld zur Verfügung. Die Kellner ließen sich überreden und bedienten weiter, die Herrensitzung wurde ein großer Erfolg!”



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