1950 - 1955

Die Chronik der K.G. Alt-Köllen vun 1883 e.V.

Von Frank Tewes

In den 1950er Jahren neu aus der Taufe gehoben

Kölsche OriginaleNach Beendigung des Krieges 1945 stand die KG Alt-Köllen – nach dem Krieg ersetzte sich bei Alt-Köllen das „C” gegen ein „K” – ein zweites Mal buchstäblich vor dem Nichts. Ein Motor war Karl-Heinz Thelen. In der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen heißt es in einem Rückblick dazu: „Wir wissen von Karl-Heinz Thelen, dass er nach dem Krieg durch sein geliebtes Köln ging, um zu raten, wo sich die Altstadt, an der sein Herz hing, einmal befunden hatte. Dabei hat er erlebt, wie mit bunten Lappen maskierte Kinder auf alte Kochtöpfe und Eimer schlagend über Schutt und Geröll der zu 80 Prozent zerstörten Stadt zogen und das Lied vom ´Treuen Husar´ sangen. Dieses Erlebnis, so hat er uns berichtet, war wie eine Aufforderung zu neuem Leben.” Thelen suchte nach ehemaligen Mitgliedern. Die traurige Bilanz stellte jedoch fest, dass über 30 Mitglieder der KG im Krieg gefallen oder verschollen waren. Eines Tages jedoch fanden sich Hermann und Willy Pütz wieder. Hermann Pütz war Mitglied der gesellschaftseigenen Gruppe der „Kölner Originale”, der er vor dem Kriege als „Freßklötsch” angehörte. Sein Bruder Willy, genannt „d’r Pötze Fuss”, hatte bei Alt-Köllen sein Debüt als Büttenredner gegeben. Diesen drei Männern – Karl-Heinz Thelen, Hermann und Willy Pütz – ist es zu verdanken, dass nach dem Krieg die Gesellschaft überhaupt wieder neu entstanden ist.

1951 war es soweit: Die erste Nachkriegssitzung der KG Alt-Köllen rollte über die Bühne – Karl-Heinz Thelen führte gewissermaßen den Start: Ein Jahr lang hielt er noch das Präsidentenamt inne. Danach übergab er es an Heinz Müllenholz. Anders als in den 1920er und 1930er Jahren platzte diesmal der Kaiser’sche Saal in der Ehrenstraße aus allen Nähten. Überhaupt waren Mitgliederzulauf und Publikumsinteresse in den 1950er Jahren enorm. Eine rasante Entwicklung setzte ein. Der rasche Aufschwung unter dem rührigen Präsidenten Müllenholz und dem ersten Vorsitzenden Fritz Güttsches machte es unumgänglich, in das Hotel Atlantic in der Waisenhausgasse, in den Williamsbau in der Aachener Straße, den Stadtwald-Festsaal und später in die Säle der Sartory-Betriebe und schließlich – ab 1955 – in den wieder aufgebauten Gürzenich zu ziehen.

1952 nahm die KG Alt-Köllen wieder am Rosenmontagszug teil. Der zuvor neu gegründete Senat der Gesellschaft hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich „Alt-Köllen” mit Festwagen und stattlicher Fußgruppe präsentieren konnte. Auch bei den Saalveranstaltungen legte die KG Wert auf ein repräsentatives Erscheinungsbild. Mit neu entworfenen Litewken zeigten sich die Mitglieder. Ratsdiener, Fahnenträger und Herolde rundeten das beeindruckende Bild bei den Sitzungen ab. Dennoch muten viele Details aus der damaligen Zeit geradezu unglaublich und sogar ein wenig bizarr an: Der Monatsbeitrag betrug 1952 zwei Mark. Ein Top-Büttenredner wie Kurt Lauterbach bekam für seinen Auftritt die damals recht hohe Gage von 30 Mark. Jupp Breitbach zimmerte höchstpersönlich monatelang eine neue Bütt und einen Elferratstisch – „Lagerraum” für dieses Mobiliar war während der Sessionen in den 1950er Jahren stets das Schlafzimmer (!) von Hermann Pütz. Aus dieser Zeit stammt auch die Anekdote, dass der Elferrat einmal das Gestühl in der Wolkenburg durch eine Seitentür neben der Bühne verlassen musste, weil in der zweiten Halbzeit einer Sitzung plötzlich kein Künstler mehr anwesend war und die Gäste ziemlich außer sich waren.

Kölsche TorwacheSolche Geschichten wurden freilich jahrelang nur mündlich kolportiert, ehe sie Eingang in Chroniken fanden. Überliefert ist aber die Vorstellung einer flammneuen Gruppe innerhalb der KG Alt-Köllen: Zur Elften-im-Elften-Feier 1953 wurde ein eigenes Korps präsentiert. Keine neue „Bürgergarde”, wie sie knapp 40 Jahre zuvor kurz bestanden hatte, sondern ein Tanzkorps, das mit farbenfrohem Erscheinungsbild im Saal und auf der Straße die Jecken begeistern sollte: Die „Kölner Torwache” war sozusagen das I-Tüpfelchen im Leben der Gesellschaft.

GruppenbildDas innerhalb von gerade mal einem halben Jahr aufgestellte Tanzcorps der „Kölner Torwache” präsentierte sich in Kostümen, die historischen Vorbilden nachempfunden waren. Ehrensenator Sepp Oberndorfer wählte in seinen zeichnerischen Entwürfen die Uniformen der „Reitenden und blasenden Torwächter unter der Herrschaft der Burggrafen des 16. Jahrhunderts” als Grundlage der Kostüme. Die Tanzmelodie war der von Bert Beus komponierte Büttenmarsch der Gesellschaft. Als Tanzpaar standen Theo Bornheim und Agi Tirtey im Mittelpunkt der Darbietungen. Erster Kommandant des jecken Schmölzjens war Jupp Breitbach. Bei der großen Premiere am 14. November 1953 erhielt die Torwache eine von Senator Karl Hawemann gestiftete „Sturmfahne”.

Der Erfolg in den Sälen stellte sich schnell ein. Bereits drei Jahre später wurde Kommandant Breitbach aufgrund der großen Verdienste um Aufbau und Führung des Korps der Torwache im Rahmen eines Korpsabends zum Vizepräsidenten der KG Alt-Köllen ernannt. „Wenn mit Einbeziehung der Rosenmontagszüge über eine Million Menschen das Korps in disziplinierter Form und in prächtigen Farben sahen, so wurde dem Ansehen der Gesellschaft erheblich beigetragen”, lobte Präsident Heinz Müllenholz im Jahr 1956. Ende der 1960er Jahre trat die Torwache übrigens als selbstständiger Verein in den Kölner Karneval ein.

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Ausschnitte aus der Chronik

So formulierte es der KG-Vorstand im Sessionheft „Die Bütt” des Jahres 1960. Hintergrund des Statements war die Ausbootung der Gesellschaft durch Gastronom Blatzheim aus dem Gürzenich, weil angeblich der Getränke-Umsatz bei Alt-Köllen nicht dem entsprach, was die Besucher bei anderen Korps und Gesellschaften konsumierten. Als sich um den von der KG traditionell besetzten Gürzenich-Termin am Mittwoch vor Weiberfastnacht andere Gesellschaften bewarben, nutzte der Gastronom die Gunst der Stunde, um Alt-Köllen eine Absage zu erteilen. Doch die Gesellschaft machte ihrerseits ordentlich Wirbel und stellte – 1960 wohlgemerkt – die Frage, was denn der Besuch einer Karnevalssitzung überhaupt kosten dürfe. Die beispielhafte Rechnung vom „Ehepaar Schmitz” hat auch fast 50 Jahre später kaum an Aktualität eingebüßt. Für einen Abend im Gürzenich, inklusive Eintrittskarte, Bahnfahrt, Getränken und einem kleinen Imbiss kamen damals etwa 50 Mark zusammen. Ein halber Wochenlohn war dies für den Durchschnittsverdiener jener Zeit. Das damals schon geäußerte Gegenargument, man müsse eben auf den Besuch anderer Veranstaltungen verzichten, konterte die KG mit dem Hinweis auf „Tausende Schmitzens”, die Straßenkarneval hoch hielten, die Kulisse für den Rosenmontagszug bildeten und dem Prinzen Karneval Beifall zollten.



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